Kartenmarktstatistik: Paysys kritisiert weiterhin unklare Bundesbank-Zahlen

Der Umsatz mit Zahlungskarten ist 2016 in Deutschland um fast 13 Milliarden Euro beziehungsweise 4,1 Prozent auf 328 Milliarden Euro gestiegen. Das geht aus der von der Paysys Consultancy veröffentlichten Kartenmarktstatistik 2007 bis 2016 hervor.

Wachstumstreiber 2016 waren die Kreditkarten mit einem Plus von 6,2 Prozent und die Debitkarten (insbesondere ec cash, ELV) mit 3,9 Prozent. Bereits im Vorjahr 2015 machte sich im Kreditkartenbereich die von der EU verordnete Preisregulierung der Interchange Fee bemerkbar, die Ende 2015 in Kraft trat. Das durchschnittliche jährliche Wachstum von Debitkartenumsätzen (CAGR 6,1 Prozent) ist in Deutschland, über eine längere Periode (2011bis 2016) betrachtet, fast identisch mit dem Wachstum im Kreditkartenbereich (CAGR 6,3 Prozent).Obwohl das Elektronische Lastschriftverfahren (ELV) auf Basis Girocard (früher ec Karte genannt) seit über 30 Jahren in Deutschland existiert, gibt es im Markt widersprüchliche Zahlen, kritisiert Paysys. So beziffert Capgemini die Anzahl der kartenbasierten ELV-Transaktionen vor kurzem auf etwa 10 Milliarden Transaktionen mit einer Marktführerschaft in Höhe von 51 Prozent aller bargeldlosen Transaktionen (Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen) in Deutschland. Die offensichtliche Fehlermeldung beruhte auf der Annahme, dass sämtliche Lastschriften durch ELV-Kartenzahlungen ausgelöst werden. Die unterschriftsbasierte ELV-Zahlung ist zwar beliebt und wächst, ist aber dem konkurrierenden ec cash-Verfahren (Girocard & PIN) weiterhin deutlich unterlegen. Auf Umsatzbasis beträgt das Verhältnis der Debitkartenverfahren ELV und ec cash seit Jahren unverändert etwa 1 zu 2. Statt der von Capgemini geschätzten 10 Milliarden beträgt die Anzahl der ELV-Transaktionen nach Angaben er ec-cash-Netzbetreiber „nur“ rund 1,5 Milliarden. Der Umsatz stieg 2016 um 3,2 Prozent auf fast 76 Milliarden Euro, und das, obwohl– ebenfalls bedingt durch die Preiseingriffe der EU – das ec cash-Verfahren gegenüber ELV für den Händler relativ preiswerter geworden ist. Ein stark überdurchschnittliches Wachstum verzeichnete ELV im Tankstellenbereich. Mehrere Tankstellenketten favorisieren mittlerweile ELV, wenn der Kunde mit seiner Girocard zahlen möchte.

Auch die von der Bundesbank seit kurzem veröffentlichten Zahlen zum ELV tragen zur spekulativen Verwirrung bei. Seit 2014 soll (laut Bundesbank) der ELV-Umsatz von 119 Milliarden Euro auf 94 Milliarden Euro. (2016) gesunken sein (minus 21 Prozent!), während die Netzbetreiber für diese Periode einen Anstieg von insgesamt fast 14 Prozent verzeichnen. Bereits eine einfache Überlegung zeigt, dass die Entwicklung und diese Zahlen völlig unrealistisch sind. Eine Substitution des reduzierten ELV-Umsatzes (etwa 25 Milliarden Euro laut Bundesbank) durch Bargeld ist auszuschließen. Der Umfang der Bargeldzahlungen nimmt langsam, aber stetig ab. Die eher theoretisch denkbare Option einer 100 Prozent-Substitution von ELV durch ec cash und Kreditkarten ist rechnerisch unmöglich, da in dieser Periode (2014 bis 016) der Zuwachs beider Kartentypen insgesamt „nur“ 20,8 Milliarden Euro beträgt. Dabei ist zu bedenken, dass ein nicht unbeträchtlicher Teil des Kreditkartenwachstums im E-Commerce stattfand, während der angebliche ELV-Schwund sich auf Umsätze an der physischen Kasse im Handel bezieht. Die Zahlen der Bundesbank bedürfen weiterhin einer erheblichen Korrektur, lautet das Fazit von Paysys. Das in Deutschland beliebte ELV-Verfahren habe an Attraktivität keineswegs verloren.

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