Deutsche Börse

Gelungener Einstieg

Quelle: Deutsche Börse

Kurz vor Ausbruch der Finanzkrise gestartet, hat das eigens geschaffene Börsensegment für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) nie in dem Maße Fuß gefasst, wie die Initiatoren und Befürworter es sich versprochen hatten. Der im Jahr 2005 eingeführten Entry Standard wurde Ende Februar 2017 eingestellt und gab den Startschuss für das neu aufgelegte KMU-Segment der Deutschen Börse - Scale. Nun hat der Frankfurter Marktbetreiber eine Zwischenbilanz gezogen und zeigt sich zufrieden mit dem Ergebnis der ersten acht Monate. Aktuell sind 48 Unternehmen in dem Segment gelistet, davon 15 mit Aktien und Anleihen. 44 der Scale-Mitglieder sind aus dem Entry Standard in das neue KMU-Segment gewechselt. Zu den bisherigen vier Neuzugängen sollen bis Ende des Jahres durch Börsengänge noch ein bis zwei weitere folgen. Die Zahl der Capital Market Partner, die ein Unternehmen vor einem Börsengang als auch über die gesamte Dauer des Listings im Segment be gleiten, ist von 34 auf 60 angestiegen. Das Handelsvolumen der gelisteten Unternehmen hat sich seit dem Start von 827 Millionen auf 1,84 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Zudem sei der Scale All Share Index, der alle Unternehmen des Segments abbildet, in derselben Zeitspanne um 28 Prozent gestiegen, und hat damit besser abgeschnitten als Dax, MDax und SDax, freuten sich die Verantwortlichen um den Deutsche-Börse-Manager Eric Leupold auf dem Pressegespräch zur ersten Scale-Bilanz.

Zum Hintergrund: Scale soll kleinen und mittleren Unternehmen die Kapitalmarktfinanzierung über die Börse erleichtern und so die Abhängigkeit von der Bankenfinanzierung mindern. Dafür müssen die jungen und wachstumsstarken Unternehmen aber eine Reihe von Transparenzpflichten erfüllen, um eine Fehlentwicklung wie beim Neuen Markt damals zu vermeiden. Dazu gehören beispielsweise die Bereitstellung eines Wertpapierprospekts, geprüfte Jahresabschlüsse sowie Unternehmensoder Anleiheratings. Anleger sollen so einen vereinfachten Zugang zu Unternehmenskennzahlen erhalten und Risiken besser einschätzen können. Einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des Segments sollen die frei zugänglichen Research Reports von mindestens zwei Analysehäusern leisten, die für alle in Scale gelisteten Unternehmen obligatorisch sind. Doch grade diese Research-Berichte sorgten zuletzt für Kritik. Die Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) hat beklagt, dass die im Auftrag der Deutschen Börse erstellten Berichte in vielen Punkten weder mit den Deutschen Grundsätzen für Finanzresearch (DGFR) noch mit den Grundsätzen der DVFA-Professionsordnung übereinstimmten. Diese Kritik wird offensichtlich ernst genommen, denn vonseiten der Verantwortlichen hieß es, an einer Verbesserung werde derzeit gearbeitet.

Darüber hinaus hat die Deutsche Börse Instrumente geschaffen, um den Kontakt von Investoren und Unternehmen weiter zu verbessern. So können die Unternehmen über die neue Zeichnungsfunktion Direct Place weitere Investorengruppen wie Family Offices, Vermögensverwalter und Retail-Investoren erschließen. Über das sogenannte "Investor Targeting" werden seit Anfang Oktober Scale-Unternehmen mit relevanten Investorengruppen auf eigens dafür organisierten Veranstaltungen an verschiedenen europäischen Standorten zusammengebracht.

Doch damit nicht genug: Im ersten Quartal 2018 soll - ähnlich dem Dax - ein Scale-Auswahlindex an den Start gehen. Dieser wird voraussichtlich 30 Unternehmen umfassen. Weitere Details, darunter das Regelwerk, sollen innerhalb der kommenden beiden Monate bekannt gegeben werden.

Der Deutschen Börse scheint also die Neuauflage des Börsensegments gelungen zu sein. Am wichtigsten dabei war, das Vertrauen der Investoren in das neue Segment wiederzuerlangen und diese zu überzeugen, dass Scale eine gute Möglichkeit bietet, in junge wachstumsstarke Unternehmen zu investieren. Beim Entry Standard war der Ruf teilweise so schlecht, dass Investoren vielversprechenden Unternehmen nur wegen des Börsensegments abgesagt hatten. Auf der anderen Seite ist auch zu hoffen, dass aufgrund der mehrheitlich erfolgreichen Börsengänge im KMU-Segment in diesem Jahr in Zukunft vermehrt junge Unternehmen mit aussichtsreichen Perspektiven den Schritt auf das Börsenparkett wagen werden.

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