KARTEN-NEWS DEZEMBER 2023

Fünf Jahre Apple Pay in Deutschland – Regulierung kommt (zu) spät

Fast genau fünf Jahre ist der Marktstart von Apple Pay in Deutschland nun her. Obwohl zuvor lange da­rüber gemunkelt worden war, wann es denn nun endlich so weit sein würde, waren zu Beginn im Dezember 2018 nur wenige Emittenten dabei: American Express, Bunq, Comdirect Bank, Deutsche Bank, Edenred, Fidor Bank und O2 Banking, Hanseatic Bank, N26, Unicredit Bank, Vimpay und Wirecard. Die Consorsbank folgte im April 2019 frei, ebenso Crosscard, Fleetmoney und ­Viabuy.

Inzwischen ist die Liste deutlich länger geworden. 99 Namen von Kartenemittenten in Deutschland stehen auf der von Apple veröffentlichten Liste derjenigen Issuer in Deutschland, die die Wallet unterstützen. In Wahrheit sind es sogar noch mehr. Denn die Marken „Sparkasse“ und „Volks- und Raiffeisenbanken“ tauchen jeweils nur als ein ­Anbieter in der Liste auf, ganz so, als handele es sich nicht um eine Vielzahl selbstständiger Institute. Doch auch so zeigt die Zahl von 99 Partnern, dass es für Banken inzwischen schwierig wird, an Apple Pay vorbeizukommen.

Das war zu Beginn noch nicht ausgemacht. Deshalb haben sich die beiden Verbünde mit Apple Pay etwas mehr Zeit gelassen als mancher Wettbewerber – die Sparkassen starteten rund ein Jahr nach dem Marktstart in Deutschland im Dezember 2019, die Volks­banken sind sogar erst seit April 2020 dabei. Und die Postbank kam im September 2023 mit der Meldung, dass nun auch ihre Kunden Apple Pay nutzen können.

Dass es bei der Postbank so lange gedauert hat, mag in erster Linie mit den offenbar gravierenden IT-Problemen der Deutsche-Bank-Tochter zusammenhängen. Dass die Sparkassen und Volksbanken sich dem Technologiegiganten aus den USA gegenüber länger zurückgehalten haben als andere, war hingegen eher eine Frage des Geschäftsmodells, da Apple nach wie vor die Hoheit über die NFC-­Schnittstelle der Endgeräte hat und diese dazu missbraucht, an den Erträgen der Issuer mitzuverdienen. Über die Konditionen im Detail schweigt sich die Bankenbranche aus. Marktteilnehmer lassen indes keinen Zweifel daran, dass es echte Verhandlungen in dieser Frage nicht gibt, sondern Apple die Bedingungen mehr oder weniger diktiert.

Banken in der einstigen Rolle des Handels
Die Partnerschaft mit dem Technologiegiganten zehrt also in jedem Fall an den Erträgen. Ob sie sich dennoch unter dem Strich lohnt, lassen die Emittenten nicht durchblicken. Tatsache ist, dass die Nutzer von i-Phones oder i-Watches im Schnitt offenbar technikaffiner sind als die Nutzer anderer Endgeräte. Von Anfang an berichten Banken und Sparkassen deshalb davon, dass diese Kunden von der Möglichkeit, Apple Pay zum Bezahlen zu nutzen, sehr regen Gebrauch machen. Möglicherweise führt das dadurch gestiegene Transaktionsaufkommen durch die Skaleneffekte zu einer Kompensation der Ertragseinbußen je Trans­aktion. Vor allem aber würden Anbieter, die sich hartnäckig weigern, Apple Pay zu unterstützen, riskieren, die attraktive Klientel an den Wettbewerb zu verlieren. Kein Wunder also, dass die Sparkassen alles darangesetzt haben, auch die ­Girocard in Apple Pay integrieren zu können.

Im Grunde geht es den Banken acht Jahre nach der Einführung in den USA und fünf Jahre nach dem Marktstart in Deutschland also genauso, wie es die EU in den Kartellverfahren gegen ­Mastercard und Visa für den Handel konstatiert hat: Sie werden geschröpft, können es sich jedoch aus Wettbewerbsgründen kaum erlauben, die Partnerschaft zu verweigern.

Digital Markets Act als Hebel im Wettbewerb?
Um die deutsche Sondervorschrift des § 85a ZAG (mitunter auch als Lex Apple Pay bezeichnet), mit der die ­Politik Apple zwingen wollte, die NFC-Schnittstelle freizugeben, ist es gleichwohl still geworden. Auf EU-Ebene sind die Mühlen allerdings in Gang gekommen. Im Juni 2020 hatte die EU-Kommission eine Untersuchung der Praktiken in Bezug auf Apple Pay eingeleitet. Im Mai 2022 setzte sie den Technologiegiganten von ihrer Auffassung in Kenntnis, dass das Unternehmen seine beherrschende Stellung auf den Märkten für mobile Geldbörsen auf iOS-Geräten missbraucht, indem es den Wettbewerb im Bereich der mobilen Geldbörsen auf iOS-Geräten einschränkt. Das ist genau die gleiche Vorgehensweise wie in den Kartellverfahren gegen Mastercard und Visa.

Aktuell richten sich die Hoffnungen allerdings vor allem auf den im Mai 2023 in Kraft getretenen Digital Markets Act mit neuen Regeln für sogenannte Gatekeeper-Plattformen. Erst im September 2023 hat EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton Apple diesbezüglich ­aufgefordert, sich für Wettbewerber zu ­öffnen. Vielleicht können Bankkunden schneller als gedacht die Mobile-Payment-­Apps ihrer Banken auf ihren i-Phones installieren – so sie das denn wollen. Viele Nutzer, vor allem diejenigen, die jetzt schon Apple Pay verwenden, werden auch künftig dabei bleiben wollen. Gut möglich also, dass das Eingreifen der EU den Banken nicht viel bringt – dazu kommt es schlicht zu spät.

Swantje Benkelberg , Chefredaktion, bank und markt, Cards Karten Cartes , Fritz Knapp Verlag
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