LEASING

Leasing in Zeiten von Nachhaltigkeit und Sharing Economy

Symposium des Forschungsinstituts für Leasing

Dr. Thomas Hartmann-Wendels, Foto: Universität zu Köln

Auch 2019 fand wieder das traditionelle Symposium im Rahmen der Jahreshauptversammlung des Vereins zur Förderung des Forschungsinstituts für Leasing an der Universität zu Köln statt. Am 21. November kamen Interessierte und Beschäftigte der Leasing-Branche zum fachlichen Austausch mit ausgewählten Festvorträgen zum Thema "Leasing in Zeiten von Nachhaltigkeit und Sharing Economy" zusammen. Prof. Dr. Thomas Hartmann-Wendels und Dr. Martin Starck blicken noch einmal zurück. (Red.)

Leasing beruht seit jeher auf dem Grundgedanken, dass es auf die Nutzung einer Sache, nicht auf das Eigentum ankommt. Diese Idee gewinnt heute unter dem Begriff der Sharing Economy neue Beliebtheit. Der Trend zum Teilen und Leihen spiegelt aber nicht nur veränderte Gewohnheiten wider, sondern eröffnet auch neue Möglichkeiten zu einem nachhaltigen Wirtschaften. Dr. Mathias Wagner, CEO der CHG-Meridian AG, und Prof. Dr. Daniel Veit, Universität Augsburg, beleuchteten diese Entwicklung zum einen aus der Sicht eines Anbieters von IT-Leasing-Lösungen und zum anderen aus der wissenschaftlichen Perspektive.

Aufschwung für Leasing

Dass es effizient sein kann, Güter gemeinsam zu nutzen, ist keineswegs neu. Als Vorläufer der Sharing Economy kann man beispielsweise die Allmende als eine von allen Gemeindemitgliedern gemeinsam nutzbare Weidefläche ansehen, die es bereits im Mittelalter gab. Durch die Kommunikationsmöglichkeiten, die das Internet in Verbindung mit mobilen Geräten bietet, hat der Gedanke der gemeinsamen Nutzung einen enormen Schub bekommen.

Am deutlichsten sichtbar ist dies bei Gütern, die der Mobilität dienen. Carsharing-Anbieter haben sich heute in den Großstädten einen festen Platz erobert, Leihfahrräder gehören mittlerweile wie selbstverständlich zum Stadtbild und die Fortbewegung mit den neuartigen E-Scootern vollzieht sich fast ausschließlich auf der Basis der Sharing-Economy. Vor allem junge Menschen zwischen 18 und 39 Jahren nutzen die Sharing-Angebote. Die Börsenwerte von Uber, Didi Chuxing oder Airbnb erreichen zweistellige Milliarden-Werte, obwohl diese Unternehmen kaum mehr als zehn Jahre alt sind.

Grenzen und Möglichkeiten

Prof. Veit zeigte in seinem Vortrag aber auch deutlich auf, dass dem Wachstum des Marktes Grenzen gesetzt sind. Nur in Großstädten mit hoher Bevölkerungsdichte wird das Carsharing-Geschäft derzeit profitabel betrieben. Parkplatzprobleme und verstopfte Straßen führen in diesen Städten dazu, dass das eigene Auto mehr als eine Last denn als ein Nutzen stiftendes Gut empfunden wird. Auch auf dem Markt der Anbieter von Leih-E-Scootern zeigen sich erste Konsolidierungstendenzen, ein sicheres Anzeichen für Sättigungstendenzen auf dem Markt.

Einen Kontrast hierzu bilden die zahlreichen Facetten der Sharing Economy. Sie lassen sich danach unterscheiden, ob sie mit kommerziellen Interessen verbunden sind, ob und in welcher Form es Kompensationsleistungen gibt und ob ein Transfer von Eigentumsrechten stattfindet.

Akteure können ausschließlich Konsumenten sein, die sich zusammenschließen, um ein Gut gemeinsam zu nutzen. Möglich ist aber auch, dass ein kommerzieller Anbieter gegen Gebühr die Nutzung für eine bestimme Zeit erlaubt. So ermöglicht zum Beispiel Freecycle einen Austausch von Gütern mit Eigentumsübergang, ohne dass damit eine kommerzielle Absicht verbunden ist. Carsharing-Anbieter da gegen arbeiten nach einem völlig anderen Geschäftsmodell. Das Fahrzeug als gemeinsam genutzte Ressource ist Eigentum eines kommerziellen Anbieters, der das Fahrzeug gegen Zahlung einer Gebühr für eine zeitlich begrenzte Nutzung überlässt.

Digitale Kommunikation

Der Siegeszug der Sharing-Economy wäre nicht möglich ohne die Nutzung moderner Kommunikationsformen. Internetbasierte Platt formen erleichtern das Zustandekommen von Tauschbeziehungen, da alle für den Austausch von Gütern notwendigen Informationen nahezu kostenlos allgemein verfügbar gemacht werden können. Solche Plattformen bieten auch die Möglichkeit, ergänzende Services anzubieten und stiften damit zusätzlichen Nutzen.

Das Internet bietet die Möglichkeit, dass unbekannte Akteure miteinander in Austausch treten. Dies erleichtert zwar die Austauschmöglichkeiten, ist aber auch mit Unsicherheiten verbunden. Diese kann die Produktqualität oder die Zuverlässigkeit des Vertragspartners betreffen oder aber, wie zum Beispiel bei der Online-Mitfahrzentrale Blablacar, sich auf die persönliche Chemie zwischen den Mitfahrern, die mehrere Stunden auf engstem Raum gemeinsam verbringen, beziehen. Sharing-Angebote werden sich langfristig nur dann durchsetzen, wenn für diese Unwägbarkeiten Lösungen gefunden werden.

Sharing Economy und Leasing

Der Trend zur Sharing Economy steht zwar im Einklang mit dem Grundgedanken des Leasings, ist aber zugleich auch eine Herausforderung für die Leasing-Branche. Der Trend zu Plattformlösungen bedroht die etablierten Geschäftsmodelle vieler Leasing-Gesellschaften. Die technologischen Entwicklungen ermöglichen, dass Teile der Wertschöpfungskette ausgelagert werden und die damit verbundenen Ertragspotentiale den Leasing-Gesellschaften entzogen werden können. Daher empfiehlt Prof. Veit den Leasing-Gesellschaften, ihr Geschäftsmodell ständig neu in Frage zu stellen.

Dr. Wagner erläuterte, wie die Plattformtechnologie das Geschäftsmodell der CHG-Meridian AG beeinflusst. Leasing entwickelt sich immer mehr weg von einem reinen Finanzierungsinstrument hin zu einem Nutzungskonzept mit Kreislauffunktion. Der Konzern versteht sich als IT-Leasing-Dienstleister, der den Kunden ein effizientes Technologie-Management über den gesamten Lebenszyklus des Produkts anbietet. Zu den Dienstleistungen gehören die zertifizierte Datenlöschung, die optische und technische Wiederaufarbeitung von Geräten sowie die Weitervermarktung. Auch beim Leasing von Flur förderfahrzeugen und im Bereich Health Care steht die effiziente Nutzung von Ressourcen sowie deren Wiederverwertung nach Ablauf des Leasing-Vertrages im Vordergrund. Durch die Mehrfachnutzung kann der Ressourcenverbrauch gesenkt und die Ökobilanz verbessert werden.

Damit wird deutlich, dass Leasing das Potential besitzt, den Gedanken der Kreislaufwirtschaft umzusetzen und zu einem nachhaltigen Wirtschaften beizutragen. Mit fortschreitender Betonung der Nachhaltigkeit wird es in Zukunft darauf ankommen, dass sich Leasing-Unternehmen nicht nur als Finanzintermediär verstehen, sondern ihre Kompetenzen als Technologiemanager verstärken.

An der anschließenden Podiumsdiskussion, die von Dr. Martin Starck, dem Präsidenten des Vereins zur Förderung des Forschungsinstituts für Leasing, moderiert wurde, nahmen neben den Referenten auch Prof. Thomas Hartmann-Wendels und Wolfgang Pinner, BNP Paribas Lease Group, teil. Es wurde deutlich, dass die Sharing Economy zwar eine Herausforderung für die Leasing-Branche darstellt, die Leasing-Unternehmen diese Herausforderung aber als Chance für eine Weiterentwicklung ihrer Geschäftsmodelle nutzen sollten. Wenn sich Leasing-Gesellschaften zunehmend nicht nur als Finanzier, sondern als Asset Manager verstehen, ist Leasing gut aufgestellt, wenn es darum geht, die gesellschaftspolitischen Forderungen nach mehr Nachhaltigkeit zu erfüllen.

UNIV.-PROF. DR. THOMAS HARTMANN-WENDELS ist seit 1999 Direktor des Seminars für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Bankbetriebslehre an der Universität zu Köln und außerdem geschäftsführender Direktor des Instituts für Bankwirtschaft und Bankrecht sowie des Forschungsinstituts für Leasing.
 
DR. MARTIN STARCK ist Rechtsanwalt und Of Counsel bei Kleiner Rechtsanwälte, Stuttgart, sowie Präsident des Vereins zur Förderung des Forschungsinstituts für Leasing an der Universität zu Köln. Er war Sprecher der Geschäftsführung der LBBW Leasing GmbH, langjähriges Vorstandsmitglied des BDL und Vizepräsident von Leaseurope.
Univ.-Prof. Dr. Thomas Hartmann-Wendels , Direktor, Seminar für ABWL und Bankbetriebslehre, Universität zu Köln, Köln, geschäftsführender Direktor, Institut für Bankwirtschaft und Bankrecht, Forschungsinstitut für Leasing
Dr. Martin Starck , Rechtsanwalt und Of Counsel bei Kleiner Rechtsanwälte, Stuttgart

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