Sparkassen II

Köln kann EZB nicht entkommen

Quelle: Sparkassenverlag

Zum Stichtag 31. Dezember 2021 ist es gerade noch einmal gut gegangen. Denn da lag die Bilanzsumme der Kreissparkasse Köln mit 29,2 denkbar knapp unter der 30-Milliarden-Grenze, bei deren Überschreiten das Institut 12 Monate später direkt unter die Aufsicht der EZB gestellt würde. Das war wichtig. Denn die fehlenden 800 Millionen verschaffen den Verantwortlichen nun ein ganzes Jahr mehr Luft, sich auf diesen Schritt vorzubereiten, der dann zum 1. Januar 2024 vollzogen werden wird. Denn dass es 2022 erneut gelingen wird, unter dieser Grenze zu bleiben, ist selbst unter den aktuellen Rahmenbedingungen mit Krieg in der Ukraine sehr unwahrscheinlich bis unmöglich. Das weiß auch Vorstandschef Alexander Wüerst: "Ein Schrumpfungsprozess ist für uns keine Strategie, wir müssen weiterwachsen."

Und selbst wenn es im Kundengeschäft aufgrund der konjunkturellen Eintrübungen zu Rückgängen kommen sollte, wird allein die angekündigte Rettungsübernahme der Sparkasse Radevormwald-Hückeswagen die Kreissparkasse Köln in Richtung 30 Milliarden Euro katapultieren. Denn Radevormwald-Hückeswagen ist zwar eine der kleinsten Sparkassen der Bundesrepublik, bringt es aber immerhin auch auf eine Bilanzsumme von 600 Millionen Euro. Entsprechend sind schon 2021 konkrete Projekte mit Blick auf die EZB-Aufsicht bei der KSK angelaufen, die laut Wüerst "viel Zeit, viel Geld und viele Managementkapazitäten fressen".

Das hat die Kreissparkasse Köln aber nicht davon abgehalten, im Kundengeschäft erfolgreich zu agieren. Das Kreditneugeschäft war zwar leicht rückläufig, liegt mit 3,81 Milliarden Euro aber immer noch auf dem dritthöchsten Niveau der gesamten Historie. Allein in den vergangenen drei Jahren hat die Kreissparkase damit 12,11 Milliarden Euro an neuen Darlehen zugesagt. Das braucht es aber auch, denn gleichzeitig gibt es enorm viele Tilgungen und Fälligkeiten. So sind die Kreditbestände im Jahr 2021 trotz des enormen Neugeschäfts von fast 4 Milliarden Euro gerade einmal um 380 Millionen Euro gewachsen. Da die Einlagen aber viel schneller gewachsen sind als das Kreditvolumen, von 20,60 Milliarden Euro im Jahr 2019 über 22,23 Milliarden Euro im Jahr 2020 auf 22,64 Milliarden Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr kann die traditionell aktivlastige KSK die Refinanzierung seit zwei Jahren komplett über die Einlagen darstellen. Das mag auch daran liegen, dass Maßnahmen zur Eindämmung der Einlagenflut bislang eher zögerlich eingesetzt werden, von Verwahrentgelten sind gerade einmal rund 10 Prozent der Kunden betroffen. Daneben konnte der Nettoabsatz an Wertpapieren im vergangenen Jahr um 32 (!) Prozent auf 896 Millionen Euro gesteigert werden. Damit hat sich das Verhältnis von Einlagen zu Wertpapieren, das 2020 noch bei 70:30 lag, umgekehrt, sodass nun die Wertpapieranlagen mit 70 Prozent der neu angelegten Gelder dominieren.

Das schlägt sich auch in der GuV nieder: Der Provisionsüberschuss stieg um 12 Millionen Euro auf 174 Millionen Euro. Allerdings ist der Zinsüberschuss gleichzeitig um 26 Millionen Euro auf 339 Millionen Euro zurückgegangen. "Das hat uns schon geschmerzt", so Wüerst. Es lässt sich aber vor allem mit Aufwendungen für Zinsänderungsrisiken erklären, die über Euribor laufen, sodass zu den normalen "Kosten" der Absicherung noch negative Zinseffekte in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe kommen. Die Stabilisierung der Zinserträge war auch an anderer Stelle der GuV maßgeblich dafür verantwortlich, dass die Kreissparkasse Köln insgesamt einen Ergebnisrückgang von 15 Millionen Euro auf 80 Millionen Euro auswies. Denn das neutrale Ergebnis verschlechterte sich von 1 Million Euro im Vorjahr auf minus 48 Millionen im Berichtsjahr. Darin enthalten sind rund 28 Millionen für die Auflösung alter Zinssicherungsswaps, die günstiger neu abgeschlossen wurden, sowie rund 20 Millionen Euro Rückstellungen für Auswirkungen des AGB-Urteils und des Urteils zu Prämiensparverträgen. Die übrigen Positionen sind eher unauffällig: Bewertungsergebnis plus 7 Millionen Euro nach minus 31 Millionen Euro, Kosten 403 Millionen Euro nach 411 Millionen Euro. Berücksichtigt man noch, dass rund 50 Millionen Euro in die Rücklagen fließen werden, kann man festhalten: Die Kreissparkasse Köln hat ein gutes Jahr 2021 genutzt, sich ordentlich Speck anzufuttern. Kleines Schmankerl: In der GuV zeigen sich erstmals die Auswirkungen der nahenden EZB-Aufsicht, denn das Bewertungsergebnis wurde der ab 2024 anzuwendenden IFRS-Logik zufolge direkt vom Zinsüberschuss abgezogen.

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