zeb: Bankenkrise unwahrscheinlich

zeb European Banking Study; Quelle: zeb

Zwar brachen die Gewinne von Banken deutlich ein, doch die Covid-19-Pandemie wird wohl keine Bankenkrise hervorrufen. Das ist der Schluss, zu dem die neue Ausgabe der European Banking Study von zeb, welche in dieser Ausgabe hauptsächlich die Kapitalausstattung der 50 größten Banken Europas untersucht, kommt.

Die Kapitalausstattung der Banken blieb durch die Hochphase der Krise hindurch stabil, so die Studie. Im Detail fiel die durchschnittliche Kernkapitalquote (CET1) der 50 größten europäischen Banken im ersten Quartal 2020 zunächst auf 14 Prozent (2019: 14,4 Prozent). Haupttreiber waren der Anstieg der Neukredite, die Nutzung von Kreditlinien durch Kunden sowie teils negative Ergebnisse infolge höherer Risikokosten im Kreditgeschäft. Dieser Effekt wurde im zweiten Quartal 2020 vollständig umgekehrt, vor allem aufgrund niedrigerer risikogewichteter Aktiva (RWA) und der Aussetzung von Dividendenzahlungen. So liege die Quote am Ende des 2. Quartals bei 14,4 Prozent.

Die Profitabilität der Banken hingegen habe unter der Krise gelitten. Nachdem die durchschnittliche Eigenkapitalrendite nach Steuern im Jahr 2019 noch bei 6,4 Prozent lag, gingen die Ergebnisse im bisherigen Verlauf des Jahres 2020 - hauptsächlich getrieben durch höhere Risikokosten - deutlich zurück. Im ersten Quartal erreichten die Institute noch eine durchschnittliche Eigenkapitalrendite von 2,2 Prozent, im zweiten Quartal war diese mit -0,3 Prozent sogar negativ. Die Risikokosten liegen bereits Ende des zweiten Quartals 2020 insgesamt über dem Wert für das Gesamtjahr 2019.

Christian Schiele, zeb-Partner und Mitautor der Studie, erläutert: „Bei individueller Betrachtung der Banken ergibt sich ein differenzierteres Bild. Tatsächlich weisen mehrere Institute eine durchaus solide Kapitalausstattung und Profitabilität auf. Andere dagegen kämpfen mit schwerwiegenden Konsequenzen. Ihre Gewinnpolster zur Abfederung der Pandemiefolgen haben bereits jetzt ein sehr niedriges Niveau erreicht.“

Simulationsszenarien der Studie zeigen, dass die zu erwartenden Verluste (Expected Losses) und risikogewichteten Aktiva (RWA) in den kommenden Jahren signifikant zunehmen dürften. Trotz des daraus resultierenden Rückgangs der Kapitalquoten wird die durchschnittliche Kernkapitalquote (CET1) der 50 größten Banken in Europa allerdings auf einem Niveau oberhalb der regulatorischen Mindestanforderungen bleiben. Im wahrscheinlichen Szenario werden acht der größten 50 Institute gezwungen sein, die 2020 von den Aufsichtsbehörden freigegebenen Kapitalpuffer zu nutzen. Im schweren Szenario erhöht sich diese Zahl auf 18 Banken.

Dr. Dirk Holländer, Senior Partner von zeb und Mitautor der Studie, zufolge dürften „die Auswirkungen von Covid-19 und die resultierende schwächere Konjunktur nicht zu einer allgemeinen Finanzkrise über den gesamten Bankensektor hinweg führen.“

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Anfälligkeit einzelner Institute stark von Größe und Struktur des Portfolios der Bank abhängig ist. So gibt es kein eindeutiges Muster, allerdings zeigen sich gravierende Auswirkungen bei Banken mit hohem Anteil in von der Krise betroffenen Branchen. Aus Sicht der Studienautoren seien daher individuelle Auswertungen und Maßnahmen auf Einzelbankebene anstelle eines „Gießkannenprinzips“ über bestimmte Geschäftsmodelle oder Länder hinweg unerlässlich. Dazu gehörten insbesondere die Restrukturierung, Redimensionierung und Neuausrichtung von Kreditportfolios.

Die Studie kann hier bestellt werden.

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