Colliers-Umfrage: Covid-19 verändert Transaktionen – und vieles mehr

Matthias Leube, Colliers International

92 Prozent der zwischen dem 19. und 27. März telefonisch von Colliers befragten 65 Topentscheider der Immobilienwirtschaft können sich auch während der Covid-19-Pandemie nicht vorstellen, Gebäude ohne physische Besichtigung zu erwerben. Von der BaFin jüngst ermöglicht, würden jedoch 37 Prozent der Befragten ein Gebäude beispielsweise mittels eines Videorundgangs erwerben. 62 Prozent können sich vorstellen, auf Basis eines Reliance Letters eine technische Due Dilligence durchzuführen.

Wie die Umfrage weiter zeigt, ist trotz dieser Einschränkungen die Stimmung am Markt nicht schlecht: Zwei Drittel geben an, auch weiterhin Einkäufe zu tätigen. Knapp die Hälfte hofft auf günstige Konditionen bei der Investition. 14 Prozent haben ihre Ankaufsprozesse gestoppt. Büro ist und bleibt bei fast 90 Prozent der Befragten die beliebteste Assetklasse. Industrie- und Logistikimmobilien erleben wahrscheinlich wegen der Ausgangsbeschränkungen einen Nachfrageschub. 54 Prozent wollen diese kaufen. Auch knapp die Hälfte möchte weiterhin in Handelsimmobilien investieren, vor allem in Nahversorger.

Qualität und Lage des Objekts stehen derzeit im Vordergrund: Core-Produkte werden von 60 Prozent als sicherer Hafen gesehen, Core-Plus- und Value-Add-Immobilien erleben Rückgänge. Riskante Opportunistic-Objekte locken hingegen mehr Investoren infolge erwarteter Preisnachlässe. Bei der Lage sind A-Städte weiterhin mit 85 Prozent stark gefragt, B-Städte stehen zumindest noch bei 45 Prozent.

Bei Bestandsobjekten erwarten 18 Prozent eine Nachfragezunahme. Indirekte Beteiligungen, beispielsweise in Form von Unternehmensbeteiligungen, bleiben attraktiv. Portfolios, Grundstücke und Projektentwicklungen werden aufgrund ihrer Komplexität und Unsicherheit auf der Vermietungsseite aktuell dagegen kritisch betrachtet.

Ein vermuteter Schub im Online-Handel treibt unterdessen die Vermietung von Logistikimmobilien an Lebensmittel- und Pharmaunternehmen voran. 44 Prozent erwarten hier steigende Mieten. Bei Wohnimmobilien erwartet nur jeder siebte sinkende Mieten. Hotel und Einzelhandel werden hingegen von 80 Prozent negativ bewertet. Für Büro entfällt die Hälfte der Meinungen auf negative, die andere Hälfte auf stabile Bewertungen. Unter anderem das verstärkte Aufkommen von Homeoffice erregt Skepsis bei Büroimmobilien. Besonders betroffen ist Coworking.

Die bereits vor der Corona-Krise vermutlich als überhitzt wahrgenommenen Kaufpreise stehen dabei momentan über alle Assetklassen hinweg stärker unter Druck als Mieten. „Rund die Hälfte der Befragten geht von verzögerten Auswirkungen der Corona-Krise auf die Immobilienbranche aus. Eine Normalisierung des Wirtschaftslebens erwarten die Befragten schneller als in der Immobilienbranche“, so Matthias Leube MRICS, CEO von Colliers International. Die Befragung soll aufgrund der dynamischen Lage wiederholt werden.

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