Commerzbank stoppt Auslagerung der Wertpapierabwicklung zu HSBC

Jörg Hessenmüller; Quelle: Commerzbank AG

Überraschende Kehrtwende bei der Commerzbank: Die geplante Auslagerung der Wertpapierabwicklung an die HSBC Transaction Services wurde mit sofortiger Wirkung gestoppt. Dazu hat sich der Vorstand der Commerzbank aufgrund technischer Umsetzungsrisiken und veränderter Marktbedingungen entschieden. Entsprechend wird der zuletzt für Mitte 2021 geplante Übertrag der Positionen auf die Systeme der Tochtergesellschaft von HSBC nicht stattfinden. Bereits übertragene Stammdaten und Steuerabrechnungen zum Wertpapiergeschäft sollen bis Anfang 2022 auf die Commerzbank zurückübertragen werden. Das Kundengeschäft wird hiervon nicht beeinträchtigt, verspricht die Bank.

Hintergrund sind veränderte strategische Ziele unter dem neuen Vorstandsvorsitzenden Manfred Knof: So soll mit dem Stopp des Auslagerungsprojekts die Komplexität in der eigenen Transformation reduziert sowie der Fokus auf die Modernisierung der eigenen Systemlandschaft gelegt werden. Die vor zwei Jahren eingeführte IT-Lieferorganisation der Commerzbank soll dazu einen wichtigen Beitrag leisten: Dort hat die Bank im Zuge der Strategie 2024 nun eine eigene Key Area für Securities & Brokerage geschaffen.

Zudem haben sich seit dem Projektstart für die Auslagerung im Jahr 2017 das Marktumfeld und die technologischen Möglichkeiten erheblich verändert. „Nach sorgfältiger Abwägung haben wir entschieden, das Auslagerungsprojekt wegen der hohen Umsetzungsrisiken zu stoppen. Das deutlich gewachsene Handelsvolumen und die technologische Weiterentwicklung ermöglichen uns, die Wertpapierabwicklung profitabel fortzuführen“, beschreibt COO Jörg Hessenmüller die veränderte Ausgangslage.

Allerdings hinterlässt die spontane Beendigung der auf zehn Jahre angelegten Partnerschaft mit der HSBC-Tochter zunächst tiefe Spuren in der GuV. So kündigt die Commerzbank für das zweite Quartal 2021 wegen des Projektstopps Sonderabschreibungen in Höhe von rund 200 Millionen Euro an. Darüber hinaus fallen Rückstellungen in zweistelliger Millionenhöhe an. Die Bank betont aber, dass die Abschreibungen weder die Liquidität noch die harte Kernkapitalquote belasten werden. Das diesjährige Kostenziel von 6,5 Milliarden Euro bleibt ebenfalls davon unberührt.

Teil der Strategie 2024 ist auch die Auslagerung des Bereich Equity Brokerage für Firmenkunden an die Oddo BHF. An dieser hält die Commerzbank fest.

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