BNP: Reger Investmentmarkt, ruhiger Vermietungsmarkt

Piotr Bienkowski

Aufgrund eines außergewöhnlich hohen Umsatzes im ersten Quartal konnte auf dem deutschen Immobilien-Investmentmarkt für das erste Halbjahr 2020 ein neues Allzeithoch registriert werden. Mit einem Ergebnis von knapp 29,4 Milliarden Euro wurde der Vorjahreswert um rund 20 % übertroffen. Rechnet man noch die Investitionen in Wohnimmobilien (ab 30 Einheiten) hinzu, die sich auf knapp 12,7 Milliarden Euro belaufen, ergibt sich ein Gesamtumsatz von gut 42 Milliarden Euro. Dies zeigt die Analyse von BNP Paribas Real Estate.

„Aufgrund der im ersten Quartal aufgestellten Bestmarke mit über 18,5 Milliarden Euro Transaktionsvolumen, das überproportional durch große Portfolioverkäufe, Übernahmen und Beteiligungen, wie etwa der Übernahme der TLG durch Aroundtown, auf die alleine rund 4 Milliarden Euro entfielen, getrieben wurde, konnte auch im ersten Halbjahr 2020 ein neuer Umsatzrekord verzeichnet und der Vorjahreswert deutlich gesteigert werden. Betrachtet man nur das durch die Corona-Pandemie und den zwischenzeitlichen Lockdown massiv beeinflusste zweite Quartal, ist gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019 ein Rückgang um 19 % zu beobachten. Im Vergleich mit dem fünfjährigen Durchschnitt ist im zweiten Quartal ein rund 17 % niedrigeres Investmentvolumen zu verzeichnen. Damit spiegeln sich die Unsicherheiten über die weitere Entwicklung der Märkte und die umfangreichen Einschränkungen während des Lockdowns im Investmentumsatz deutlich wider. Es zeigt sich aber auch, dass von einem teilweise prognostizierten Stillstand der Investmentmärkte keine Rede sein kann und viele Investoren weiter an deutsche Immobilien und eine Fortsetzung der positiven Trends glauben, sobald die Pandemie überwunden beziehungsweise durch Medikamente und Impfstoffe beherrschbar ist“, erläutert Piotr Bienkowski, CEO von BNP Paribas Real Estate Deutschland.

Paketverkäufe konnten laut BNP mit 14,2 Milliarden Euro ihren Umsatz mehr als verdreifachen, Einzeldeals mussten dagegen mit knapp 15,2 Milliarden Euro signifikante Rückgänge hinnehmen (-24 %). Büro-Investments waren mit einem Anteil von 35 % (10,4 Mrd. €) weiterhin die wichtigste Assetklasse, während Berlin seinen Nimbus als beliebtester Investitionsstandort (gut 3,85 Mrd. €) behielt. „Da Restrisiken wie eine zweite Infektionswelle noch nicht vollständig gebannt sind, bleibt es unverändert schwierig, eine Prognose für das Gesamtjahr abzugeben. Es deutet aber vieles darauf hin, dass ein Investmentumsatz über 50 Milliarden Euro möglich ist, womit der zehnjährige Schnitt spürbar übertroffen werden könnte. Für die Preisentwicklung stellt eine stabile Situation im Core-Segment sowie ein noch anhaltender Findungsprozess im Value-add-Bereich das aus heutiger Sicht wahrscheinlichste Szenario dar“, fasst Piotr Bienkowski die Aussichten zusammen.

Deutlich ruhiger ging es im Vergleich dazu auf dem Bürovermietungsmarkt zu: So wurden laut BNP im ersten Halbjahr 2020 an den acht deutschen Standorten Berlin, Düsseldorf, Essen, Frankfurt, Hamburg, Köln, Leipzig und München rund 1,3 Mio. m² Bürofläche umgesetzt. Das sind satte 34% weniger als im Vorjahreszeitraum. „Betrachtet man nur das zweite Quartal, in dem 557.000 m² umgesetzt wurden, liegt das Ergebnis im Vergleich zu 2019 um 48 % niedriger. Überraschend kommt diese Entwicklung nicht. Nach den stark steigenden Infektionszahlen, dem bundesweiten Lockdown mit Kontaktverbot und der sich abzeichnenden Rezession in 2020, ist es nicht verwunderlich, dass viele Unternehmen ihre geplanten Anmietungen entweder für unbestimmte Zeit auf Eis gelegt oder, was überwiegend der Fall ist, verschoben haben, um die weitere wirtschaftliche Entwicklung im zweiten Halbjahr und die Erholungsgeschwindigkeit abzuwarten, bevor sie größere Investitionen tätigen“, so Bienkowski. 

Spürbare Reaktionen auf der Angebotsseite, z. B. deutlich sinkende Mieten oder stark steigende Leerstände (im Schnitt derzeit weiterhin bei nur 4 %), seien indes noch nicht erkennbar. Daran dürfte sich vor dem Hintergrund des im langfristigen Vergleich sehr niedrigen Angebots auch in den nächsten Quartalen nichts grundlegend ändern, glaubt BNP.

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