PwC-Studie zu Working Capital: Händler binden immer mehr Kapital

Der Einzelhandel wächst seit Jahren stabil: Die Umsätze der 50 führenden Handelsunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind seit 2014 um 19 Prozent gestiegen. Die Unternehmen der Branche binden jedoch immer mehr Kapital – liquide Mittel, die ihnen fehlen, um ihre Organisation für die digitale Transformation fit zu machen. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie „Cash for Transformation“, für die die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) das Working Capital Management der 50 führenden Einzelhändler in Deutschland, Österreich und der Schweiz analysiert hat. „Traditionell stationäre Händler stehen ebenso wie Online-Player vor der Aufgabe, ihre Geschäftsmodelle an den digitalen Wandel und die hohen Erwartungen der Kunden anzupassen. Um ihr Business zu transformieren, benötigen sie aber Liquidität. Folglich müssen sie ihre operativen Prozesse optimieren und das gebundene Kapital minimieren, damit Mittel für die Transformation frei werden“, kommentiert Rob Kortman, Leiter Working Capital Management & Solutions bei PwC Europe.

Dieser Spagat gelingt den meisten Unternehmen der Branche allerdings nur bedingt: Beim Netto-Umlaufvermögen zeigt der Fünf-Jahres-Trend eine Verschlechterung um einen Tag. Die 50 untersuchten Unternehmen haben in diesem Zeitraum zusätzlich 2,3 Milliarden Euro an Kapital gebunden. 22 der 50 Händler haben ihr Umlaufvermögen seit 2014 verschlechtert. Das vergangene Jahr könnte jedoch eine Trendwende einläuten: Im Vergleich zum Vorjahr ist es den Unternehmen 2018 gelungen, ihr Umlaufvermögen um einen halben Tag zu drücken. Hauptgrund für diese kurzfristige Verbesserung sind Optimierungen im Bereich Warenbestand. Doch auch wenn sich die Performance der untersuchten Unternehmen bei der Bestandsreichweite (Days Inventories On-hand, DIO) im Untersuchungsjahr 2018 um einen halben Tag verbessert hat: Mit Blick auf die vergangenen fünf Jahre ergibt sich eine Verschlechterung um 1,6 Tage.

Die Leistung beim Working Capital schwankt dabei stark – je nach Unternehmen und Subsektor. Im Schnitt liegt die Kapitalbindungsdauer im Handel bei 43 Tagen. In vier der sieben analysierten Subsektoren lässt sich im Vergleich zum Vorjahr eine negative Entwicklung bei der Performance im Bereich Working Capital Management feststellen. Im Bereich Accessoires und Luxusgüter hat sich das Netto-Umlaufvermögen im Fiskaljahr 2018 beispielsweise auf 87 Tage verschlechtert. Der Grund ist das schwache Abschneiden im Bereich Bestandsmanagement. Der Sportartikelsektor gehört dagegen zu den Gewinnern: Dort haben sich die kurzfristigen Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten positiv entwickelt – von 74 auf 83 Tage – und die Bestandsreichweite ist von 126 auf 120 Tage gesunken.

Auch der Onlinehandel, der wichtigste Wachstumstreiber der Branche, konnte sein Working Capital Management verbessern: Das Umlaufvermögen hat sich im E-Commerce seit 2014 um 5,6 Prozent verbessert. Der Vergleich zum Vorjahr zeigt ebenfalls eine leichte Aufwärtsbewegung (plus 0,5 Prozent). Die Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten sind von 76 auf 78 Tage gestiegen; die Forderungsreichweite ist um einen Tag auf 32 Tage gesunken.

Dr. Christian Wulff, Leiter des Bereichs Handel und Konsumgüter bei PwC Deutschland, zieht ein Fazit: „Die Mehrheit der Unternehmen aus dem Einzelhandel könnte signifikante Mengen an Cash freisetzen, wenn sie ihr Working Capital Management konsequent verbessern würden – Geld, das dann für zukunftsweisende Investitionen zur Verfügung stünde. Insbesondere im Bereich der Lagerhaltung steckt Potenzial: Hier sind die Unternehmen gefordert, den Bestell- und Lagerhaltungsprozess weiter zu verbessern und Forderungen sowie Verbindlichkeiten nachhaltig zu verbessern.“

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