Digitalisierungsstudie von EY und ZIA: „Immobilienwirtschaft am digitalen Scheideweg“

Martin Rodeck, Innovationsbeauftragter, ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss e.V., Berlin und Vorsitzender der Geschäftsführung, OVG Real Estate GmbH, Berlin

Die Immobilienwirtschaft kommt beim Thema Digitalisierung langsam aber sicher zu Potte: Gut jedes vierte Unternehmen (27 Prozent) investiert mittlerweile mehr als 5 Prozent seines Jahresumsatzes in die digitale Transformation. Vor zwei Jahren lag dieser Anteil mit 14 Prozent noch bei gerade einmal der Hälfte. Das ist eines der Kernergebnisse der fünften Digitalisierungsstudie von EY Real Estate und dem Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA), für die im Sommer 2020 rund 250 Mitarbeiter von privatwirtschaftlichen wie auch öffentlichen Unternehmen mit Bezug zur Immobilie befragt wurden.

Befragt nach den Auswirkungen der Corona-Pandemie gab eine deutliche Mehrheit (84 Prozent) an, dass ihr Unternehmen die Krisensituation ohne digitale Technologien nicht unbeschadet überstehen könne. Und knapp 80 Prozent erwägen eine dauerhafte Ausweitung von Homeoffice und digitalen Meetings in ihren Unternehmen. „Die Auswirkungen der Pandemie sind für die Branche ein Lackmustest. Die Vorteile der Digitalisierung zeigen sich nun überdeutlich: sowohl den Marktteilnehmern, die in den vergangenen Jahren bereits vorangeschritten waren und nun profitieren, als auch jenen, die jetzt dringenden Nachholbedarf spüren. Die Branche steht momentan am digitalen Scheideweg“, sagt Christian Schulz-Wulkow, Leiter des Immobiliensektors bei EY in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Die gute Nachricht ist der insgesamt steigende Reifegrad der Branche: Fast die Hälfte der Befragten befindet sich nach eigenen Angaben bereits in der Etablierungs- und 39 Prozent in der Entwicklungsphase der digitalen Transformation. „Während in den vergangenen Jahren Experimentierfreudigkeit und zuletzt Prozesseffizienz im Fokus der Digitalisierungsbemühungen standen, geht es in der Krise teils um die Existenz. Ganze Geschäftsmodelle werden infrage gestellt. Digitalisierung wird dadurch auch für vormals skeptischere Branchenteilnehmer von einer vermeintlichen Spielerei zum essenziellen Erfolgsfaktor“, sagt Martin Rodeck, Vorsitzender Innovation Think Tank des ZIA und Vorsitzender der Geschäftsführung der EDGE Technologies GmbH.

Die größte Herausforderung bleibt indes der Personalmangel: Seit der ersten Erhebung der Digitalisierungsstudie im Jahr 2016 stellt dieser Faktor die größte Hürde für die Digitalisierung dar – das geben auch in der diesjährigen Befragung 72 Prozent der Teilnehmer an. Eine herausgehobene Stellung schreiben die Studienteilnehmer der Digitalisierung bei den als „ESG“ (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) umschriebenen Nachhaltigkeitsbestrebungen zu. Sie ist der Schlüssel für eine professionelle Umsetzung der ESG-Richtlinien, meinen 84 Prozent der Befragten. Daten und deren Auswertung sind für 87 Prozent der Teilnehmer die Basis für ein professionelles ESG-Management.

Die komplette Studie finden sie hier.

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