Sparkassen-Chefvolkswirte fordern Augenmaß beim Ende der temporären Lockerungen für Banken

Quelle: Sparkassenverlag

Die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe sehen den deutschen Bankenmarkt robust in der die Corona-Krise. „Sparkassen haben im Vergleich zu allen deutschen Banken zusammen seit 2008 überproportional stark ihr Eigenkapital ausgeweitet. Das Volumen des bilanziellen Eigen­kapitals ist heute rund doppelt so hoch wie zu Beginn der Finanzkrise“, sagt Uwe Burkert, Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg. Das Volumen des bilanziellen Eigenkapitals ist heute rund doppelt so hoch wie zu Beginn der Finanzkrise 2008 / 2009. Auch mit Blick auf „Basel IV“ zeigen Untersuchungen der Bundesbank, dass die „kleineren“ Institute im relativen Vergleich besser aufgestellt sind. Während bei den Großbanken bis 2028 die Kernkapitalquote bei finaler Umsetzungsstand des Basel III-Reformpakets ohne Gegenmaßnahmen der Banken von 14,5 Prozent auf 9,6 Prozent sinkt, bleibt die Quote bei den „kleineren“ Instituten mit 13,3 Prozent (minus 5 Prozentpunkte) noch im zweistelligen Bereich

Das Kreditrisiko, so die Prognose, wird aufgrund der Corona-Krise perspektivisch zunehmen. Die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe gehen für Deutschland für 2020 von einem BIP-Einbruch um minus 6,4 Prozent aus. Allerdings erwarten drei Viertel der Firmenkundenberater der Sparkassen laut einer aktuellen Umfrage, dass in den kommenden sechs Monaten weniger als zwei Prozent ihrer mittelständischen Firmenkunden Insolvenz anmelden müssen – und dies unabhängig von der ausgesetzten Insolvenzantragspflicht. Die Risikovorsorge aller Banken werde sich dennoch kräftig erhöhen, wobei von einer großen Bandbreite auszugehen sei. Im ersten Quartal zeigte sich europaweit im Durchschnitt eine Erhöhung um den Faktor 6, vor allem getrieben durch Pauschalwertberichtigungen. Zahlungsmoratorien strecken die Verschlechterung der Assetqualität. Deutsche Banken weisen eine über-durchschnittlich geringe Quote an notleidenden Krediten (NPL-Ratio) auf. Hier dürfte in den kommenden Monaten sukzessive eine Trendumkehr einsetzen. All dies werde Gewinn und Eigenkapital stark belasten.

Die angesichts der Corona-Krise beschlossenen aufsichtlichen Erleichterungen werden von den Chefvolkswirten der Sparkassen-Finanzgruppe sehr begrüßt. Über die wichtigen Corona-bedingten Erste-Hilfe-Maßnahmen hinaus sei aber auch der Blick in die Zukunft entscheidend. Teile der nun beschlossenen Maßnahmen nutzen Spielräume des geltenden Regulierungsrahmens in Form von variablen Pufferanforderungen, welche Banken in Krisenzeiten Entlastungen ermöglichen. Bis zur nächsten Krise sollten diese Polster dementsprechend wieder gefüllt werden. Die Aufsichtsbehörden seien  daher gut beraten, zu gegebener Zeit über ein Ende der temporären Lockerungen zu beraten – aber dabei  mit Blick auf die zu erwartenden Zweit- und Drittrundeneffekte der aktuellen Krise behutsam vorgehen. Für einen Zeitplan scheint es den Sparkassen-Volkswirten viel zu früh. Auch für (geplante) Verschärfungen der regulatorischen Anforderungen habe die Corona-Krise durch die absehbare Schwächung der Bankbilanzen die Ausgangslage geändert. So sei insbesondere beim Output Floor von Basel IV Vorsicht geboten. Auch gelte es weiterhin, Übergänge nicht abrupt zu gestalten und auf strikte Proportionalität zu achten, um regulatorischen Aufwand zu minimieren. Daneben sollten Belastungen aus Einzahlungen in den EU-Abwicklungsfonds überprüft werden, um die Eigenkapitalbasis der Kreditinstitute zu stärken.

Den vollständigen Standpunkt der Chefvolkswirte finden Sie hier.

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