Deutsche Aktuarvereinigung: Corona-Pandemie rein privatwirtschaftlich nicht versicherbar

Quelle: pixabay.com

„Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die versicherungstechnischen Risiken der Lebensversicherungsunternehmen sind bislang überschaubar. Ganz anders präsentiert sich aber die Situation in der Industrie- und Gewerbeversicherung.“ Darauf hat der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV), Dr. Guido Bader hingewiesen. Auf der einen Seite sei die zunächst befürchtete Übersterblichkeit bislang ausgeblieben, sodass sich das Jahr 2020 bei den Todesfallzahlen noch immer im normalen statistischen Schwankungsbereich bewege. Zudem sei der befürchtete Mittelabfluss bei den Lebensversicherern ausgeblieben. Lediglich zu Beginn der Pandemie hätten sich die Stornoquoten kurzzeitig und geringfügig erhöht. Stattdessen beantragten einige Kunden Stundungen ihrer Zahlungen oder stellten ihre Verträge für einige Monate beitragsfrei. Inzwischen habe die Mehrheit ihre Zahlungen jedoch wieder aufgenommen. „Liquiditätsrisiken haben daher zu keiner Zeit bestanden“, so Bader.

Auf der anderen Seite sieht er insbesondere die Gewerbe- und Industrieversicherung vor sehr großen Herausforderungen. Durch den staatlich verordneten Lockdown über ganze Branchen hinweg kam es in der Veranstaltungsausfall- und der Betriebsschließungsversicherung teilweise zu einem Totalschaden bei 100 Prozent der Unternehmen. In welchem Umfang die jeweiligen Versicherer hier leisten, hängt zwar von vielen individuellen Faktoren ab. Generell gilt jedoch, dass eine solche Ausnahmesituation nicht rein privatwirtschaftlich versicherbar ist. „Für eine derartige Absicherung müssten sich die Prämien nach unseren Berechnungen in der Betriebsschließungsversicherung grob gerechnet verzehnfachen. Einen solchen Vertrag würde wohl kein Unternehmen abschließen“, so Bader. Entsprechend seien andere Absicherungskonzepte gefragt. Deshalb unterstützt die Deutsche Aktuarvereinigung ausdrücklich den Gedanken eines Public-Private-Partnerships für den Versicherungsschutz im Pandemiefall.

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