Insolvenzen gehen in Deutschland zurück

Unternehmensinsolvenzen im 1. Halbjahr 2020; Quelle: Creditreform

Trotz des massiven Konjunktureinbruchs sind die Insolvenzzahlen in Deutschland laut Creditreform gesunken. Demnach verringerte sich die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im 1. Halbjahr 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 8,2 Prozent auf 8 900 (9 690) Fälle.

Creditreform sieht dafür vor allem staatliche Unterstützungsmaßnahmen verantwortlich. Die von der KfW bereitgestellten Kreditmittel, die Zuschüsse für Selbstständige und kleine Gewerbetreibende sowie die vorrübergehende Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sollten demnach einen akuten Anstieg der Pleiten, insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen, verhindern und die Insolvenzzahlen stabil halten. Die tatsächlich eingetretene Abnahme der Insolvenzen zeige nun jedoch deutlich, dass der beabsichtigte Effekt der Maßnahmen zwar einerseits erreicht, jedoch zugleich insoweit verfehlt wurde, als offenbar auch solche Unternehmen vorläufig der Insolvenz entgangen sind, die – hätte es die Viruskrise nicht gegeben – den Gang zum Insolvenzgericht angetreten hätten. Hier habe es laut Creditreform möglicherweise unerwünschte Mitnahmeeffekte gegeben.

Wie laut Creditreform noch hinzukomme, sei bei zahlreichen Insolvenzgerichten die Arbeitsproduktivität coronabedingt zurückgegangen. Dies hat zu erheblichen Bearbeitungsrückständen geführt. Auch dieser Umstand dürfte zu dem Rückgang der Insolvenzverfahren beigetragen haben.

In Anbetracht dessen gehe die Creditreform Wirtschaftsforschung weiterhin davon aus, dass sich mit dem Auslaufen der bis September 2020 befristeten Aussetzung der Insolvenzantragspflicht die Zahl der Verfahren erheblich erhöhen werde. Eine solche Insolvenzwelle wäre nur dann abzuwenden, wenn es den betroffenen Unternehmen gelänge, bis zu diesem Zeitpunkt die Krisenfolgen zu überwinden und sich wieder zu stabilisieren.

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